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Wo eignet sich Nachverfolgbarkeit als USP, Herr Psomiadis?

Wo eignet sich Nachverfolgbarkeit als USP, Herr Psomiadis?

David Psomiadis, Co-CEO von Imprint Analytics - einem Labor für forensische Herkunftsverifizierung - spricht mit CASH über die Nützlichkeit von transparenten Lieferketten.

CASH: Nachverfolgbarkeit wird gerne als USP angepriesen. Doch was bringt sie den Konsument:innen wirklich?

David Psomiadis: Für Konsument:innen ist Nachverfolgbarkeit nur dann relevant, wenn sie glaubwürdig ist. Labels, Zertifikate und QR-Codes schaffen Orientierung – aber noch keine Sicherheit. In globalen Lieferketten reicht dokumentierte Herkunft allein nicht mehr aus. Aktuelle Marktforschung belegt, dass Rückverfolgbarkeit das Kaufverhalten tatsächlich beeinflusst: Ein BCC-Report aus 2025 zeigt, dass über 75 Prozent der Verbraucher bereit sind, für Produkte mit transparenter Herkunft und Rückverfolgbarkeit einen Preisaufschlag zu zahlen. Wissenschaftliche Herkunftsverifikation setzt genau hier an: Sie prüft nicht, was auf dem Papier steht, sondern was im Produkt selbst steckt. Natürliche Produkte tragen eine chemische Signatur, die durch Boden, Klima und Umwelt ihres Ursprungs geprägt ist. Diese lässt sich analytisch messen und unabhängig verifizieren. Für Konsument:innen bedeutet das einen echten Mehrwert: Herkunft wird überprüfbar statt versprochen. Vertrauen entsteht nicht durch Behauptungen, sondern durch belegbare Fakten – und genau das erwarten Verbraucher:innen heute zunehmend von Marken.

Und wie profitiert die Industrie davon, außer durch das Einhalten des Lieferkettengesetzes?

Lieferkettengesetze setzen den Rahmen, aber sie schaffen noch keinen Wettbewerbsvorteil. Unternehmen profitieren dann, wenn sie Herkunft nicht nur dokumentieren, sondern objektiv belegen können. Wissenschaftlich verifizierte Herkunft wird damit nicht nur zu einer Pflicht, sondern zu einem strategischen Instrument. Die schützt Marken vor Betrug, Fehldeklarationen und Greenwashing-Vorwürfen – Risiken, die heute erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen können. Gleichzeitig stärkt sie die Glaubwürdigkeit von Qualitäts- und Nachhaltigkeitsaussagen und schafft Differenzierung in zunehmend austauschbaren Märkten. Kurz gesagt: Wer Herkunft belegen kann, reduziert Risiko, stärkt Vertrauen und verbessert seine Position gegenüber Handel, Konsument:innen und Regulatoren gleichermaßen.

Wie engmaschig lässt sich die Herkunft in der Praxis nachweisen?

Mit modernen analytischen Methoden lässt sich Herkunft heute sehr präzise überprüfen. Verfahren wie stabile Isotopenanalytik und Elementprofilierung ermöglichen Zuordnungen auf Länder- und Regionalebene – in vielen Fällen sogar bis auf spezifische Anbaugebiete oder Betriebe. Solche analytischen Verfahren setzen wir heute gemeinsam mit zahlreichen europäischen Handelsunternehmen ein, um geografische Herkunftsangaben bei regionalem Frischobst und -gemüse wissenschaftlich abzusichern. Ein konkretes Beispiel ist die Zusammenarbeit mit Lidl Österreich, wo diese Analytik genutzt wird, um deklarierte Herkunftsversprechen unabhängig zu überprüfen und die Glaubwürdigkeit von "regional" entlang der Lieferkette zu schützen. Der entscheidende Faktor ist die Referenzbasis. Umweltbedingungen hinterlassen messbare Muster im Produkt, die mit umfangreichen Vergleichsdaten abgeglichen werden können. Je dichter und globaler diese Datenbasis ist, desto höher ist die Aussagekraft. Hier liegt ein klarer Vorteil global vernetzter Laborsysteme wie dem Oritain-Netzwerk: Harmonisierte Analytik, lokale Expertise und internationale Referenzdaten ermöglichen konsistente Herkunftsverifikation entlang weltweiter Lieferketten.

Und wie kann KI dabei helfen?

Wie Paul Bentham, Chief Product and Technology Officer bei Oritain, bestätigt, erzeugt analytische Herkunftsverifikation hochkomplexe Datensätze. Ohne moderne Datenanalyse wären viele dieser Informationen kaum nutzbar. KI ist daher kein Zusatz, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Systeme. Innerhalb des Oritain-Netzwerks unterstützen KI-Modelle die effiziente Auswertung großer Datenmengen, erkennen feine Unterschiede zwischen geografisch oder strukturell ähnlichen Regionen und beschleunigen Entscheidungsprozesse erheblich. Gleichzeitig stärken sie die Risikoanalyse, indem Auffälligkeiten und Abweichungen in Lieferketten frühzeitig sichtbar werden. Entscheidend ist: KI ersetzt nicht die Wissenschaft, sondern verstärkt sie. In Kombination mit analytischer Prüfung macht sie Herkunftsnachweise skalierbar, belastbar und praxistauglich für den globalen Handel.

Danke für das Gespräch!


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